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Das Halloween-Experiment PDF Print
Contributed by Hubert Hanghofer   
Jan 30, 2005 at 12:00 AM
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Das Halloween-Experiment
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Meine Ideen stiessen im Freundeskreis auf reges Interesse und so trafen wir uns am Abend der letzten Vollmondnacht vor Samhain (29.11.2004) in einer kleinen privaten Hausbrauerei am Lande (Friedrichsbräu zu Obertrum). Ziel der kultischen Versammlung war es, in den Früchten des zu Ende gegangenen Sommers Bier zu brauen und dieses über Samhain den Geistern zur Veredelung zu überlassen.

Laien und Brauprofis waren gleichermassen motiviert und so legten wir los: Der Kessel (50L Keg) wurde mit Wasser gefüllt und angefeuert. Während das Wasser zum Kochen gebracht wurde, hatten wir genügend Zeit, einen Deckel in die Kürbisse zu schneiden und sie sorgfältig zu entkernen. Auch die Schüttung - 11kg Wiener Malz - wurde zwischenzeitlich geschrotet. Die Anweisungen an die Kultusgemeinde zur Durchführung des Experiments lauteten:

  • Ausgehölten Kürbis knapp halbvoll mit siedend heißem Wasser füllen. -Die dafür benötigte Wassermenge auslitern.
  • Deckel drauf und warten, bis die Temperatur auf 70-72°C gefallen ist.
  • In der Zwischenzeit das geschrotete Wiener Malz einwiegen: -Die halbe Wassermenge in kg. (Da wir nur eine Waage hatten, war dieser Teil von hektischem Treiben begleitet.)
  • Einmaischen (ergab je nach Kürbis 64-68°C).
  • Wenn die Temperatur auf 60°C gefallen ist, siedendes Wasser auf etwa 3/4 des Kürbisvolumens zubrühen.
  • Wenn die Temperatur wieder auf 60°C gefallen ist, den Kürbis mit siedendem Wasser vollfüllen (man sollte gerade noch rühren können).
  • Nun unter periodischem Umrühren rasten, bis die Temperatur wieder auf 60°C gefallen ist, dann den Inhalt in den inzwischen geleerten Kessel überführen.

Auf Brauerdeutsch heisst das also: Wir haben mit 2L/kg Schüttung dick eingemaischt und dann versucht, durch zweimaliges Zubrühen von jeweils 0,7L/kg die Maischtemperatur möglichst lange im Verzuckerungsbereich zu halten. Die gesamte Hauptgussmenge summierte sich auf 3,4L/kg. Grössere Kürbisse hatten eine Maischkapazität von 9-12L (2-3 kg Schüttung) und hielten die Maische bis zu einer Stunde im geforderten Temperaturbereich. Die Aussenhaut blieb dabei dicht (kein Auftreten von Rissen) und kalt (gute Isolierwirkung). In kleineren Exemplaren erlaubte der stärkere Temperaturabfall nur kurze Rasten, was bei zukünftigen Experimenten zu berücksichtigen ist (...go for size!!).

Von vornherein war klar, dass wir in unseren stärkehältigen Maischbottichen keine vollständige Verzuckerung erreichen würden, daher war ein Weitermaischen im Kessel fix eingeplant. Die vereinigte Kürbismaische (etwa 45L) wurde zunächst auf 68°C erhitzt, der Brenner abgedreht und die Maische 10 Minuten zur Sedimentation geruht. 60% (27L) der überstehenden, dünneren Maische wurden anschließend aus dem Kessel abgeschöpft und in den gut isolierten Rohrboden-Läuterbottich überführt. Die im Kessel verbliebene Dickmaische wurde unter allerlei rituellen Beschwörungen im Beisein einer Bierhexe mit ein paar handvoll Kürbisfleisch versetzt und 10 Minuten heftig zum Kochen gebracht.

Nach dem Zubrühen dieser Kochmaische in die (Läuter)Bottichmaische erreichten wir die gewünschte Abmaischtemperatur von 75°C. Das Abläutern nach einer Läuterruhe von 15 Minuten verlief völlig problemlos. Nachgeschwänzt wurde nur knapp mit ca. 24L Nachguss.

Die Hopfengabe war einmalig 100g Styrian Goldings Dolden (aus dem Eigenbau der örtlichen Landbrauerei), ca. 10 Minuten nach Kochbeginn. Bei diesem Bier wollte ich keinen ausgeprägten Hopfencharakter erzielen, um einen eventuell vorhandenen Geschmacksbeitrag der Kürbisse besser beurteilen zu können.

Noch vor Mitternacht war die Würze gekühlt und mit untergäriger Hefe der örtlichen Landbrauerei angstellt (wobei wir sicherheitshalber die Bierhexe vorher verjagt haben!). Die Geisterstunde verlief ruhig, aber es war ja noch nicht Samhain, sondern der letzte Vollmond davor und ausserdem hatten die Teilnehmer die Zeit nach dem "Abmaischen" genutzt, um ihre Kürbisse zu bearbeiten und der endgültigen Bestimmung als Geisterwächter zuzuführen.

In der Nacht des Samhain stand unser Gärbehälter aber einsam und unbewacht im alten Keller der kleinen Hausbrauerei. Was da alles passierte, lässt sich bis heute nicht nachvollziehen, aber meine Frau meint: Immer, wenn ich vom Halloween Sud getrunken hätte, wäre ich besonders GEISTreich.

Allzeit gut Sud!
Hubert Hanghofer

PS.: Das Bier ist sehr gut geworden. Stammwürze 16,6°P, Alkohol ca. 7,4%vol. Die kürbisartige Bernsteinfarbe dürfte es allerdings dem Wiener Malz verdanken und geschmacklicher Beitrag der Kürbisse war keiner festzustellen. Es ging auch mehr um's "kultische": Einen neuen Zugang zu unserem Hobby zu schaffen, der breites Interesse in der Öffentlicheit weckt und an dem auch Laien teilnehmen können. In diesem Sinne werden örtliche Brauergruppen dieses Experiment bei uns heuer wiederholen.



Last Updated ( Jun 05, 2005 at 03:45 PM )
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